Sivomir der Sammler, Serie I
Künstler/in
Hubert Lobnig
(geb. 1962 in Völkermarkt, Kärnten)
Date1998/1999
ClassificationsFotografie
MediumFarbfotografie auf Aluminium
Paper Support5-teilig
Dimensions44 × 29,7 cm; 29,7 × 44 cm
Credit LineArtothek des Bundes
Object number26221
DescriptionSchwemmgut der Zivilisation:"Jedes Ding hat sieben Leben, sagt man in Mexico City": erzählt Hubert Lobnig, der sich in seinen
Arbeiten unter anderem mit dem "Schwemm-gut der Zivilisation": wie er es nennt, beschäftigt. Wenn
ein Konsumgut aus irgendwelchen Gründen gegen ein neues ersetzt wird, entsorgt man
es für gewöhnlich. Und eben dieser Übergang von der Ware zum Müll interessiert Hubert Lobnig.
Mit Sivomir der Sammler dokumentierte der Künstler in lausenden von Fotos das Leben eines Mannes, der sich und seiner Familie in Wien mit eben jenen abgelegten
Objekten der Konsumgesellschaft eine Exi-stenz sichern konnte. Täglich zog der gebürtige Serbe mit seinem Handkarren
los und sammelte aus Müllcontainern, Abbruchhäusern oder Bau-stellen verwertbares Material. Altmetall wurde Schrotthändlern verkauft, anderes einer weiteren Verwendung zugeführt,
vor Ort oder auch in der alten Heimat, wo es nach dem Krieg selbst om Notwendigsten
fehlte.
Der Vormittag diente dem Sammeln, der Nachmittag dem Sor-tieren und Aufbereiten für eine weitere
Distribution. Plastik wurde von Kupferkabeln entfernt, Kunststoffgriffe von Pfannen geschraubt, was
mit-unter einem performativen Akt gleichen konnte. In seiner Jugend im ehe-maligen Jugoslawien war
der Mann, der sein Leben lang Analphabet bleiben sollte und kein Deutsch sprach, Statist bei den
Dreharbeiten der Winnetou-Filme gewesen, und wenn der bärenstarke Zivomir nun im Park nächst seiner
Wohnung mit nacktem Oberkörper und großer Geste die Kabel schälte, erweckte dies durchaus die
Neugierde der Passanten und Grünflächenbesuche.
Auch das Gemälde Teppich New York aus einer weiteren Werkgruppe zeugt von der Weitergabe von Benutztem. Mehrere unachtsam auf dem Straßenmarkt übereinander
geworfene Teppiche erscheinen auf diesen halb abstrakten Bildern gleich Gebirgsmassiven. Das
verwendete Farbmaterial reagiert auf verschiedene Lichtverhältnisse, das Motiv be-ginnt zu kippen,
macht mit seinem Blinken auf sich aufmerksam, fast wie in der Reklame der neuen, schönen Warenwelt.
-Daniela Gregori
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